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Jungen Menschen neue Wege aufzeigen und sie ein Stück begleiten

Sonne, Würstchen, Musik und kühle Getränke. Was sich anhört wie ein Freizeitspaß gehört für Hannah Altena und Astrid Sommer zu ihrer Arbeit. Ich treffe beide auf dem „Sommerfest der Wohnungswirtschaft“ in Königsborn an ihrem Infostand und bin neugierig, welche Aufgaben sie im neuen Projekt „BugLotse“ haben und warum „Respekt“ eine wichtige Grundlage ihrer Arbeit mit den jungen Erwachsenen ist.

Frau Altena, ich treffe Sie hier beide auf dem Sommerfest. Da gibt es schlimmere Jobs, oder?
(lacht) Na, Freizeit ist das für uns natürlich nicht! Präsent zu sein auf Stadtfesten, Veranstaltungen und öffentlichen Plätzen, ist Teil unserer Arbeit. Wir möchten sicht- und ansprechbar für unsere Zielgruppe sein.

Wer ist denn Ihre Zielgruppe und was genau ist Ihre Aufgabe, Frau Sommer?
Mit unserem Projekt BugLotse möchten wir junge Erwachsene im Alter von 18 bis 27 Jahren und mit Bezug zu Unna-Königsborn eine sogenannte „Anschlussperspektive“ aufzeigen. Das bedeutet, unser Angebot richtet sich an junge Menschen auf ihrem Weg in die eigenständige Lebensführung. Manche haben keine oder nur eingeschränkte Unterstützung durch ihre Familien oder sonstige Netzwerke. Viele junge Menschen, mit denen wir arbeiten, fühlen sich auf sich allein gestellt und finden aus unterschiedlichsten Gründen nicht den Weg in die entsprechenden Hilfssysteme. Hier bieten wir schnell und unkompliziert Beratung und Unterstützung an. Träger des Projektes ist die Werkstatt im Kreis Unna. Finanziert wird das Projekt aus ESF-Mitteln.

Was ist das Besondere an der Arbeit, Frau Altena?
Kein Tag gleicht dem anderen. Durch die offene Struktur des Projekts können wir ohne Druck auf die Bedürfnisse unserer Gegenüber eingehen. Dabei darf jeder alles für sich allein entscheiden. Wenn jemand etwas nicht will, dann zwingen wir ihn nicht dazu, das funktioniert nicht. Wir zeigen ihm stattdessen verschiedene Wege auf. Wenn jemand zum Beispiel sagt, er möchte zu Hause raus, besprechen wir gemeinsam die Gründe und suchen nach einem Weg, diesen Wunsch umzusetzen. Unser Angebot ist freiwillig, niederschwellig und ohne Zwang und Vorhaltungen.

„Uns ist es wichtig, authentisch zu sein. Die jungen Erwachsenen würden merken, wenn wir uns verstellen würden.“Astrid Sommer (Mitte) & Hannah Altena (re.), Beraterinnern im Projekt „BugLotse“ bei der Werkstatt im Kreis Unna im Gespräch mit Quartiersmanager Liberto Balaguer (li.), Foto: plan-lokal/Alfred Körbel

 

Und wenn die jungen Erwachsenen von Dingen erzählen, Frau Sommer, die nicht in Ordnung sind? Zum Beispiel von „Nichts-mehr-auf-die-Reihe-kriegen“, Geldsorgen, Wohnungsnot, Straffälligkeit… ?
Auch da besteht zunächst einmal das Angebot eines vertrauensvollen Gesprächs mit uns, in dem wir versuchen, schnell die Problemlage zu erfassen und mögliche, konstruktive Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Gelingt dies, würden wir weitergehend gemeinsam mit dem jungen Erwachsenen Lösungswege unterstützt und begleiten. Hierbei brauchen wir BugLotsen auch schon etwas Geduld.

Dann sind Sie am Ende auch eine Art Seelsorger?
(lacht) Nein, das überlassen wir mal den Kirchen. Ähnlich ist allerdings, dass wir schon eine Vertrauensperson werden möchten. Wir respektieren die jungen Erwachsenen und nehmen sie ernst. „Respekt“ ist sozusagen unser wichtigstes Handwerkszeug!

Und wie verschaffen Sie sich Respekt, Frau Sommer?
Uns ist es wichtig, authentisch zu sein. Die jungen Erwachsenen würden merken, wenn wir uns verstellen würden. Viele haben vor zu großen Problemen resigniert oder aber scheitern an der Fülle der Probleme, die sich gerade vor ihnen auftürmen. Hier als BugLotsen einen kühlen Kopf zu bewahren und mit Ruhe und Übersicht die notwendigen Schritte raus aus dem Problemberg zu entwickeln, das schafft Respekt!

Ich kann mir vorstellen, die Arbeit ist nicht immer ganz leicht. Welchen Hintergrund haben Sie beide, Frau Altena?
Wir haben beide eine pädagogische Ausbildung mit interkulturellen Kompetenzen und Erfahrungen in der Jugend- und Flüchtlingsarbeit. Wir arbeiten direkt im Quartier und suchen die jungen Erwachsenen auch gern vor Ort auf. Als weitere Anlaufstellen dienen unser Büro in der Frankfurter Straße 3 oder der Aufenthaltsraum in der Höingstraße 26 in Unna.

Wie muss ein BugLotse denn beschaffen sein?
Kontaktfreudig und kommunikationsfähig! Anders geht es nicht. Wir gehen ja auch auf die jungen Erwachsenen zu und sprechen sie an. Neben unserer Beratungskompetenz gehört natürlich auch die tägliche Kooperation mit dem bestehenden sozialen Netzwerk in Unna dazu.

Kommen die jungen Menschen von sich aus in Ihr Büro, Frau Sommer, oder suchen Sie sie auf?
Häufig wird der erste Kontakt telefonisch von den jungen Erwachsenen oder aber von Verwandten, Lehrern oder Ämtern zu uns aufgenommen. Der Treffpunkt für ein erstes Gespräch kann dann in den Büroräumen oder eben auch aufsuchend an einem anderen Treffpunkt sein.

Welche Ziele möchten Sie gerne in den kommenden Monaten erreichen, Frau Sommer?
Unsere Ziele orientieren sich an den Wünschen und der Lebenswelt der jungen Erwachsenen. Ich hätte gerne, dass unser Angebot bekannter und stärker angenommen wird. Das braucht Zeit. Unsere Angebote sind institutions- und rechtskreisübergreifend. Dabei ist unser BugLotsen-Team eingebunden in eine Förderkette, die die Ressourcen der jungen Erwachsenen stabilisiert und fördert. Gemeinsam entwickeln wir dabei individuelle Strategien für die weitere Lebensplanung oder zur Krisenbewältigung. Unser Ziel ist es, dem einen oder anderen jungen Menschen eine echte Orientierung für seinen weiteren Lebensweg geben zu können.

Frau Altena, Frau Sommer, ich danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Liberto Balaguer.


Ansprechpartnerinnen

Hannah Altena
Tel.: (02303) 2805114
Mobil: (0176) 12805037
Mail: h.altena@werkstatt-im-kreis-unna.de

Astrid Sommer
Tel.: (02303) 2805114
Mobil: (0176) 12805071
E-Mail: a.sommer@werkstatt-im-kreis-unna.de